Objekt des Monats
September 2016
E-Nebel

 
 

Die dreiteilige Dunkelwolke im Sternbild Adler, ist mit einem Feldstecher gut zu finden. Er ist die am einfachsten zu beobachtende Dunkelwolke am Nordhimmel. Das scharf umrandete Gebiet hebt sich von der Milchstraße ab und hat eine Ausdehnung von 30’ x 50’. Das ist etwa so groß wie der Vollmond. Er ist etwa drei Grad östlich von Atair im Sternbild Schwan zu finden.
Im Barnard Katalog der Dunkelwolken hat er die Nummer 142/143 und wird wegen seiner Form auch E-Nebel genannt.  
Die Dunkelwolke ist 2000 Lichtjahre von uns entfernt.

 
   
 

Auffindkarte Mitte September 22 Uhr Blick Richtung Süden

 
 

Ein Dunkelnebel besteht aus Materie, die das Licht dahinterliegender Objekte absorbieren. Sie lassen sich beobachten, wenn sie Hintergrundsterne abdunkeln oder völlig ausblenden, oder wenn sie Teile von Emissions- oder Reflexionsnebeln verdecken (zum Beispiel Pferdekopfnebel).

 
 

Ein Dunkelnebel bestehen hauptsächlich aus Gas und Staub, kann aber auch eine größere Zahl von Sternen einschließen. Der Wasserstoff in diesen Wolken liegt in Form von Molekülen vor. Die größten Wolken dieses Typs haben die millionenfache Masse der Sonne. Sie machen einen erheblichen Anteil der Masse im interstellaren Medium aus, sind bis zu 150 Lichtjahre groß und besitzen eine durchschnittliche Dichte von 100 bis 300 Molekülen pro cm³ (was dem besten zu erreichenden Hochvakuum entspricht, 360 Atome pro cm3) sowie eine innere Temperatur von nur 7 bis 15 K (-266 bis -258° C).
Die Wolken selbst sind im Bereich des sichtbaren Lichts nicht sichtbar, können aber durch Mikrowellenstrahlung der enthaltenen Moleküle wahrgenommen werden. Diese Art der Strahlung wird nicht vom Staub absorbiert und kann aus der Wolke austreten. Das Wolkenmaterial weist Verdichtungsgebiete unterschiedlichster Größen auf, von Sterngröße bis hin zu Lichtjahre großen Gebilden. Die Wolken besitzen ein inneres Magnetfeld, das ihrer Eigengravitation entgegenwirkt.

 
 

Die physikalischen Bedingungen in Molekülwolken kontrollieren die Art und die Raten der Sternentstehung. Dies hat auch Folgen für die Planetenbildung und Galaxienentwicklung. „In den allermeisten Molekülwolken sorgen die Photonen des interstellaren Strahlungsfeldes und die kosmischen Strahlungspartikel für eine Restionisation. Dadurch werden Magnetfelder gestützt, die wiederum einer gravitativen Zusammenklumpung der Wolke entgegenwirken. Innengasdruck und Magnetfelder sorgen so über längere Zeiten für Gleichgewicht. In vielen Wolken findet man außerdem überschallige Turbulenz. Die fünf Grundparameter einer Wolke sind Temperatur, Teilchendichte, Magnetfeldstärke, chemische Zusammensetzung und innere Geschwindigkeitsverteilung.“
Aus Walter de Gruyter, Sterne und Weltraum S. 286